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FRISCHER WIND IN MYSORE

 

Mit den wenigsten Veränderungen im Leben tun wir uns leicht und der große Shala-Umzug in Mysore bildet da keine Ausnahme. In diesem Herbst und Winter findet dort die erste komplette Saison im neuen „Sharath Yoga Centre“ statt. Die Entfernung zu Gokulam, die fabrikhallenartige äußere Anmutung und der scheinbare Bruch in der Tradition haben im Vorfeld für einige Diskussionen gesorgt. Viele KPJAYI Schüler*innen waren skeptisch, ein paar wenige trauern den alten Zeiten nach und haben die Reise in diesem Jahr gar nicht erst angetreten. Doch was hat sich tatsächlich verändert? Und wie sind die Auswirkungen vor Ort?

 

Nachdem die neue Shala im Februar und März 2019 zunächst nur für Led Classes genutzt wurde, hat dort bereits im August ein 14-tägiger Sommerworkshop stattgefunden. Seit Oktober 2019 läuft dort nun die erste komplette Wintersaison. Wenn man sich unter den Teilnehmenden umhört, kommt man schnell zu dem Schluss, dass alle Bedenken unbegründet waren und der Standortwechsel durchweg Vorteile mit sich bringt. Die markantesten Veränderungen habe ich in ein paar Punkten zusammengefasst: 

Einiges ist neu

Räumlichkeit

Betritt man die neue Shala, wächst man innerlich gleich ein kleines Stück, denn der Innenraum der Halle ist sehr großzügig und hell. Er bietet angemessene Dimensionen für die zahlreichen Schüler*innen, sodass sowohl Temperatur als auch Sauerstoffgehalt selbst nach ein paar Stunden Mysore Style noch eine angenehme Praxis erlauben. Die Akustik bei den Chanting Klassen ist ein echtes Klangerlebnis und das lockere, unbeengte Sitzen bei der samstäglichen Conference sorgt für wache Aufmerksamkeit sowie einen entspannten Start ins Wochenende.

 

Zonierung

Für die Led Classes wird die Halle im Ganzen genutzt, sodass nun alle gemeinsam teilnehmen können – mit genügend Bewegungsfreiheit.

Für den Mysore Unterricht wird der Raum durch bewegliche Stellwände gedrittelt, sodass eine Schutzzone zum Eingangsbereich und eine weitere für die Abschlusssequenz in Richtung der Umkleiden entstehen. Alle können also im selben Raum ganz in Ruhe ihre Praxis beenden.
Der Übungsbereich ist mit Markierungen am Boden gekennzeichnet, die ausreichend Abstand zu den Nachbarmatten sichern. Insgesamt gibt es 78 solcher Felder für den Mysore Unterricht. 
Zudem bietet die offene Galerie einen geschützten Bereich, in dem Eltern ungestört neben ihren Kindern üben können.

 

Sicherheit/Privatsphäre
Neu sind auch die Hinweisschildchen, die man bei Schwangerschaft, Verletzung oder dem einfachen Wunsch nach ungestörtem Üben neben seine Matte legen kann. Bei Verletzungen wird von den Unterrichtenden dann gezielt nachgefragt und auf die jeweilige Verletzung eingegangen. 

 

Stundenplan

Der Stundenplan wurde deutlich gestrafft. Kommt man morgens zum Üben, kann man direkt zum anschließenden Chanting und den Philosophie-Klassen bleiben, statt wie früher den ganzen Tag zwischen Zuhause und Shala hin und her zu pendeln. Alle Shala-Aktivitäten finden nun am Vormittag statt und spätestens gegen Mittag ist schulfrei für alle. 

 

Fahrt- und Wartezeiten

Trotz der Entfernung zu Gokulam halten sich die Fahrtkosten in Grenzen, da es für die meisten durch die gestraffte Organisation ausreicht, einmal am Tag hin und zurück zu fahren (Eine Rickshaw braucht etwa 20 Min und kostet 200 Rs pro Weg). Ein offener Aufenthaltsbereich auf dem Shala-Gelände bietet Raum für entspannte Frühstückspausen, Austausch oder ein kleines Nickerchen. 

 

(Selbst-) Versorgung

Wie bei einem gewöhnlichen Schultag ist es ratsam, sich ein kleines Frühstück einzupacken. Die meisten bringen sich Müsli, Porridge, Obst oder Nüsse mit.
Der Coconut Man ist selbstredend jeden Morgen vor Ort und ein Ableger von Depth ’n’ Green verkauft gleich neben der Shala Kaffe, Tee, Smoothies, Sandwiches und Gebäck. 

 

Einiges ist beim Alten

Trotz der zahlreichen Veränderungen, von denen so gut wie alle eine Verbesserung darstellen, gibt es Dinge, die sich hier offenbar niemals ändern.

Shala Time

Die neue Uhr sieht der alten verdächtig ähnlich und tatsächlich bewegen wir uns auch hier in einer anderen Zeitzone. Die Uhr geht ebenfalls 20 Minuten vor und egal, wie pünktlich du zu sein meinst – wenn du das nicht weißt, bist du immer zu spät.

 

Bekannte Gesichter

Nach dem zweiten Mal in Mysore und zwei großen Workshops in Kopenhagen bekomme ich langsam einen groben Überblick über die Community und treffe allerorts auf bekannte Gesichter. Manchmal ist es so, als wäre ich nie weg gewesen. Die meisten kommen eben doch immer wieder. 

 

Shala Driver

Einige Schüler*innen mieten sich für die Zeit des Aufenthalts einen Scooter, ein Großteil lässt sich morgens und mittags mit der Rickshaw abholen. Und auch hier trifft man auf viele bekannte Gesichter, denn die altgedienten, zuverlässigen Shala Driver sind gleich mit umgezogen. Die meisten von ihnen verabreden eine monatliche Pauschale für die tägliche Hin- und Rückfahrt, sodass man sich nicht ständig um passendes Kleingeld sorgen muss.

 

Queuing Discipline

Obwohl alle Abläufe penibel geregelt sind, stellt geduldiges Warten einige Teilnehmer*innen noch immer vor eine unmögliche Herausforderung. Immer wieder wird gedrängelt und geschoben wie beim Schlussverkauf. Man selbst kann hier nur mit guten Beispiel voran gehen und sich darauf besinnen, dass niemand ohne geübt zu haben nach Hause gehen muss und dass es in der neuen Shala keine schlechten Plätze mehr gibt. 

 

Schokolade

Lakshmish, der liebenswerte Chanting- Philosophie- und Sanskritlehrer ist nach wie vor verrückt nach Schokolade in jeglicher Form. Wer ihn kennt, wird sich sicher erinnern. Beim nächsten Besuch in Mysore also unbedingt ein Plätzchen für die eine oder andere Tafel im Koffer freihalten.




Gesamteindruck

Insgesamt ist dieser neue Ort geprägt von einer erfrischenden Atmosphäre der Großzügigkeit, Offenheit und des Wohlwollens – gefühlt ein echtes Geschenk an alle Schüler*innen. Der Umzug bringt eine Gefühl der Reinigung, Gelöstheit und neu gewonnener Freiheit mit sich. Wer Sharathji noch in der alten Shala erlebt hat, wird auch an ihm eine deutliche Veränderung wahrnehmen. Der Schritt in Richtung Offenheit, heraus aus dem Schatten der teils belastenden Vergangenheit der alten Shala, verleiht auch ihm spürbar mehr Leichtigkeit. Wie ich es hier erlebe, ist dieser Neubeginn ein willkommener Befreiungsschlag für die gesamte Ashtanga Community und dieser Besuch wird ganz sicher nicht mein letzter gewesen sein.


Autor: Andreas Ruthemann

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