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MYSORE MYTHS – VERBREITETE IRRTÜMER

 

Im Ashtanga Yoga gibt es eine ganze Reihe Mythen, die sich hartnäckig halten. Dazu gehören Begrifflichkeiten, die sich über Jahre manifestiert haben, allerdings schlicht falsch sind, da sie auf Missverständnissen beruhen. Wer sich mal die Mühe macht, nach Mysore zu reisen und den Dingen bei der Quelle auf den Grund zu gehen, wird sich wundern, wie klar und einfach dort alles gehandhabt wird – und wieviel wir uns im Westen dazu dichten. Einige Punkte davon werden im Unterricht und in den Conferences immer wieder thematisiert.
Ich möchte hier einmal die Initiative ergreifen, mit ein paar dieser Irrtümer aufzuräumen und vielleicht dazu beizutragen, dass sie im Sprachgebrauch nach und nach verschwinden – also mal wieder eine Achtsamkeitsübung.

 

Vinyāsa

Das vinyāsa bezeichnet die Verbindung und Synchronisierung einer Bewegung mit einem Atemzug. Dabei gibt die Atmung den Ton an und die Bewegung folgt – die Bewegung wird also von der Atmung initiiert. Endet der Atemzug, endet auch die Bewegung. Irrtümlicherweise wird häufig angenommen, dass Vinyāsa die fließende, tänzerische Aneinanderreihung von Bewegungssequenzen ist. Das ist nicht der Fall.

 


Ashtanga „Vinyasa“ Yoga

Der Begriff „Ashtanga Vinyasa Yoga“ wird oft verwendet, existiert in dieser Form aber eigentlich gar nicht. Das Vinyasa ist zwar als Synchronisierung von Atmung und Bewegung prägender Bestandteil der Āsanapraxis, jedoch nicht der gesamten Yogamethode.
Der Begriff Ashtanga Yoga umfasst nämlich alle 8 Glieder (astau angani) des spirituellen Gesamtkonzepts (yama, niyama, āsana, prānāyāma, pratyāhāra, dhāranā, dhyāna und samādhi). Und von diesen acht ist Āsana eben nur eines. Die korrekte Bezeichnung heißt also schlicht Ashtanga Yoga.

 

Sharath Jois:
„There is no such thing called ashtanga vinyasa yoga.”

 


„Ujjayi“ Atmung

Ausgehend von einem früheren Missverständnis mit Pattabhi Jois in Mysore, hat der Begriff der „ujjayi Atmung“ sich über weite Teile der gesamten Yogawelt ausgebreitet. 
Ujjayi prānāyāma ist allerdings eine Atemtechnik, die eher fortgeschrittenen Yogis vorbehalten ist, denn

sie zeichnet sich durch ausgedehnte Atempausen aus, das Anhalten/Unterbrechen des Atemflusses (kumbhaka)

Die fließende, tiefe und ununterbrochene Atmung, die wir bei der Praxis anwenden, hat damit nichts zu tun.

Wir nennen sie daher einfach tiefe, fließende Atmung.

 

Sharath Jois: 
„Deep breathing with sound.”

 


„Śavāsana“

Der gängige Begriff Śavāsana ( śava = Leichnam) für die Endentspannung nach der Āsanapraxis ist deshalb nicht ganz korrekt, weil er eine Āsana beschreibt, die die Beherrschung und zeitweise Stilllegung sämtlicher vitaler Körperfunktionen beinhaltet. Außer angeblich Kriśnamacharya, gibt es keinen einzigen Menschen, dem dies nachweislich gelungen wäre.
Stattdessen könnten wir für die Ruhe nach der Praxis den Begriff Sukhāsana verwenden (sukha = glücklich, süß) oder ganz auf einen Namen verzichten und uns einfach entspannen.

 

Sharath Jois: 

„Lie down, take rest”

 


Jump through / Jump back

Beim Vor- und Zurückspringen zwischen zwei Āsanas oder beim Seitenwechsel sieht man teils recht akrobatische Einlagen bis hin zu Handständen, die weder dem Atemrhythmus folgen, noch dem harmonischen Bewegungsablauf dienen. Denn sie beanspruchen viel Muskelkraft, anstatt die leichte Grundspannung der Bandhas zu nutzen. Für ein weiches und fließendes Zurückspringen empfiehlt es sich beispielsweise, die Knie möglichst nah am Brustkorb zu halten und die Beine erst gegen Ende der Bewegung zu stecken um ohne Umwege in Caturaṅga daṇḍāsana zu landen.

 

Sharath Jois: 

„Jumping back with straight legs –
who teaches such nonsense?”

 


Handstand

In der gesamten ersten Serie des Ashtanga Yoga gibt es viele Armbalancen, jedoch keinen einzigen Handstand. Manche Übende ignorieren dies bereits beim Vor- und Zurückspringen in den Sonnengrüßen. Oft wird der Handstand auch in die Vinyasas nach Utkatāsana und Vīrabhadrāsana eingebaut oder nach Ūrdhva dhanurāsana geübt. An all diesen Stellen hat diese Pose schlicht nichts zu suchen, auch wenn es noch so viel Spaß macht.

 

Sharath Jois: 

„Don’t go up – who taught you this!?"

 

Die korrekten Vinyasas aus Utkatāsana, Vīrabhadrāsana und Marycāsana, demonstriert von Sharathji.

Bilder von R. Sharath Jois,  Instagram


Fallen dir noch weitere Beispiele ein? Schreib uns gern, welchen Irrtümern du schon aufgesessen bist oder welche Mythen dir begegnet sind. Wir freuen uns über deine Erfahrungen.


Autor: Andreas Ruthemann

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Tristhana ist die Ashtanga Yoga Shala in Hamburg Ottensen. Traditionelles Ashtanga Yoga im Mysore Style, Led Classes und Workshops.

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